Ootmarsum: Kunst zwischen alten Kaufmannshäusern

Wer hat die industrielle Revolution verpasst? Oot-mar-sum! Zumindest sagen das die Einwohner von sich selbst. Weder eine Bahnstrecke noch eine Wasserstraße führten dorthin, so ging die wirtschaftliche Entwicklung am Ort vorbei. Dem Stadtbild dieses beschaulichen Ortes in der Provinz Overijssel in Dinkelland kam das zugute, denn große Veränderungen gab es hier nicht. Ootmarsum erhielt um 1300 Stadtrecht, und nachdem es im Verlauf des 80-jährigen Krieges zu den Niederlanden kam, wurden zwar die Befestigungsanlagen zerstört - der Ortskern mit seinem mittelalterlichen Aussehen blieb jedoch erhalten.

Kunst gucken und kaufen

Ootmarsum trägt viele Titel: Zum Beispiel "Siepelstad", also die Stadt der Zwiebeln, mit den "Siepelmärkten", auf denen Holzschuhmacher, Glasbläser oder Kerzenmacher mit ihren alten Handwerkstechniken zu bestaunen sind. Oder auch "Modestadt", denn zum so genannten "Fashion-Sunday" wird hier der rote Teppich ausgerollt und die historischen Straßen werden zum Laufsteg. Und natürlich: "Kunststadt", denn Ootmarsum ist bekannt für seine lebendige Kunstszene und die vielen Galerien. Hier lässt sich das ganze Jahr über wunderbar Kunst gucken und kaufen, doch besonders viel zu sehen gibt es beim Freiluftfestival "Kunst in Ootmarsum". Drei Tage lang präsentieren dann über 200 Künstler ihre Werke, von Malereien, Fotografien, über Drucke bis hin zu Skulpturen und Keramik.

Der bekannteste Künstler der Stadt ist Toni Schulten, der ein eigenes Museum besitzt und bekannt ist für seine Landschaftsmosaiken. Die berühmteste Stadtansicht wiederum malte der niederländische Landschaftsmaler Jacob van Ruisdael, als er Ootmarsum im Jahr 1670 auf dem Weg nach Bad Bentheim passierte - das Gemälde hängt heute in der Münchener Pinakothek.

Mittelalterliche Gesänge in historischer Kulisse

Aber auch jenseits dieser Festivals und Events lohnt ein Besuch in der Stadt. Die Sonntage sind verkaufsoffen und rund um die Kirche im Zentrum der Altstadt laden neben den Galerien auch viele kleine Geschäfte in den kopfsteingepflasterten Gassen zwischen den Kaufmanns- und Patrizierhäusern und Architektur von Gotik bis Rokoko zum Flanieren und zum Einkaufsbummel ein. Ein weiteres, lohnendes und jährlich wiederkehrendes Ereignis sei dennoch erwähnt, das "Vlöggelen". Denn wenn an Ostern die mittelalterlichen Gesänge der "Poaskearls", einheimischer, katholischer Junggesellen, erklingen, dann besinnt sich Ootmarsum auf seine Traditionen und entwickelt noch einmal einen ganz besonderen Charme.