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Flamingoroute: Viele Moore, alte Wälder – und ein Schuss Exotik dazu

Das hier ist nicht Miami Beach. Von Florida sind wir knapp 8.000 Kilometer entfernt. Das hier ist das Zwillbrocker Venn. Und doch sind beide Orte verbunden durch eine kleine Sensation: Es brüten Flamingos hier wie dort. Das Naturschutzgebiet in der Gemeinde Vreden im Münsterland steuern im Frühling jährlich rund 40 dieser exotischen Vögel an. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für Radtouren auf der so genannten Flamingoroute, die sich 450 Kilometer lang durch die eher flachen Regionen Westmünsterland, Achterhoek und Twente zieht.

Den Torfstich überlebt

Das Gebiet der Flamingoroute war ehedem eine weite, von Mooren durchzogene Heidelandschaft, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend in Grünland und Acker umgewandelt wurde. Zunächst stachen die Menschen lediglich an den Rändern Torf zum Heizen und Kochen. Mit dem Energiebedarf der Textilindustrie wurden ab 1840 jedoch große Flächen entwässert und abgetorft. Aufgrund der Abgeschiedenheit der deutsch-niederländischen Grenzregion blieben einige bedeutende Moore glücklicherweise dennoch erhalten.

Auf den einsamen Pfaden des Hundfelder Moores und des Aamsveens können Sie eintauchen in die frühere Zeit. Hier wandern Sie auf Schmugglerwegen, passieren alte Torfstiche und sogar eine historische Feldbahn für den Torftransport. Diese Amtsvennroute ist 5,5 Kilometer lang und einer von vielen Rundwanderwegen auf der Gesamtstrecke.

Bis nach Winterswijk

Jüngst wurde die Flamingoroute erweitert bis hinein in die Kulturlandschaft um Winterswijk, mit seinen alten Wäldern und naturnahen Bachläufen. Die Chance, hier Eisvögel oder Gebirgsstelzen zu sehen, ist groß. Im Zentrum des beschaulichen Einkaufsortes steht die Jacobskirche, für ihr Glockenspiel berühmt. Vor allem hat sich Winterswijk seinen eigenen Charakter bewahrt, denn viele Bauern und kleine Handwerksbetriebe sind hier immer noch aktiv. Bei Winterswijk liegt auch das Korenburgerveen, eines von 29 Schutzgebieten auf der Flamingoroute. Auf dessen blütenreichem Magergrünland wachsen nicht nur das Sumpfherzblatt, sondern auch viele Orchideen.

Wie vor 100 Jahren

Die Wacholderheide Hörsteloe vermittelt Ihnen einen Eindruck davon, wie die Landschaft im Grenzraum vor 100 Jahren einmal ausgesehen hat. Ein Relikt der ehemals weit verbreiteten Heiden und offenen Sandflächen im westlichen Münsterland. Sandlaufkäfer und Ameisenlöwen leben hier, doch eine der Attraktionen auf den Wanderwegen der Flamingoroute sind die Kreuzottern, die Ihnen auch im Haaksbergerveen begegnen können. Die Vipern mit dem Zickzack-Muster lieben Moore, feuchte Wiesen – und Sonnenbäder auf den Torfdämmen.

Tierisch viel geboten

Den Naturschutzgebieten entlang des Rundwanderweges kommt überregionale Bedeutung zu als Brut- und Rastgebiet für gefährdete Vogelarten wie den Schwarzhalstaucher, Kuckuck, Kiebitz oder Pirol. In dem Feuchtgebiet sind etwa 100 Tierarten heimisch, darunter viele seltene Spezies. Zugvögel wie der Kranich und Graugänse finden Sie hier, und es ist auch ein wichtiger Lebensraum für Libellen, Amphibien, Frösche und Echsen.

Sowohl heimische Heidschnuckenschafe als auch schottische Hochlandrinder werden entlang der Route zur Landschaftspflege eingesetzt. Wer sie aus der Nähe betrachten möchte, besucht die Biologische Station Zwillbrock und durchstreift das Schutzgebiet Witte Veen.

Auf ins Museum

Neben all diesen Naturschauspielen liegen immer wieder auch sehenswerte Gemeinden und Wissenswertes auf Ihrem Weg. So erfahren Sie im archäologisch-historischen Museum De Scheper in Eibergen, dass in dieser Gegend tatsächlich einmal Wale beheimatet waren. Um jüngere Geschichte geht es im zweisprachigen und interaktiven Aaltener Museum Markt 12, das Einzelschicksale und den Alltag während des Zweiten Weltkrieges erzählt. In Vreden wiederum lohnt ein Besuch im Scherenschnitt-Museum im Alten Rathaus, das eine Sammlung mit über 14.000 Originalen besitzt, oder im kulturgeschichtlichen Museum Hamaland, mit seiner historischen Westmünsterländischen Hofanlage.

Alle Informationen auch zur Beschilderung entnehmen Sie dem Rad- und Wanderführer zur Flamingoroute sowie der dazugehörigen Webseite www.flamingoroute.com oder buchen Sie gleich ein Pauschalangebot – und packen Sie ein Fernglas ein.