Der Bullebak

Es war einmal ein Mädchen namens Aaltjen, das wohnte auf einem Bauernhof in Haarlo im Achterhoek. Sie lebte in einer Zeit, in der die Menschen ihren Kindern nicht automatisch Schwimmunterricht gaben und die Schule hat den Gefahren des Wassers für kleine Kinder keine Aufmerksamkeit geschenkt. Die Eltern mussten sich daher etwas ausdenken. Um die Kleinen von den vielen kleinen Teichen und Tümpeln fernzuhalten, wurde der "Bullebak" ins Leben gerufen. Das war ein großes, unheimliches, haariges Monster, das in allen Wässerchen lebte und außergewöhnlich großen Hunger auf kleine, leckere Kinder hatte.

Um auch Aaltjen von der Gefahr fernzuhalten, wurde auch ihr mit dem grässlichen Bullebak Angst gemacht. Aaltjen aber fürchtete sich nicht so sehr, sondern war eher fasziniert von diesem Monster. Mehrere Male haben ihre Eltern sie dabei ertappt, wie sie heimlich zum Wassergraben schlich und dem Bullebak zuzurufen "Bullebak, Ploddezak, du kannst mich doch nicht kriegen." Ihr Vater beschloss, ihr diese Streiche abzugewöhnen und versteckte sich im Schilf des Grabens, um den Bullebak zu spielen und seine Tochter damit so zu erschrecken, dass sie endlich von dem Graben weg bleiben würde.

Stundenlang wartete der Vater zwischen dem Schilf auf Aaltjen, die einfach nicht kam. Es begann schon zu dämmern, da wurde dem Vater kalt und er wollte wieder nach Hause. Plötzlich hörte er ein lautes Geschnaufe neben sich, sieht ein haariges Monster am Grabenrand auftauchen, erschrak sich fast zu Tode und rannte nach Hause. "Den Bullebak gibt es wirklich! Den Bullebak gibt es wirklich!", schrie er.  Am nächsten Tag hatte sich der Vater ein wenig von dem Schrecken erholt und erzählte von seinem Abenteuer.

Aaltjen war daraufhin sehr neidisch auf ihren Vater, denn sie hätte den Bullebak doch selbst so gerne gesehen. Ihrem Vater sagte sie dann noch, dass sie an seiner Stelle nicht so hastig weggerannt wäre, sondern dem Bullebak eine Lektion erteilt hätte. Die hatte ihr Vater nun auch bekommen. Er sah nun keinen anderen Ausweg als Aaltjen das Schwimmen beizubringen, so gut es in der Zeit ging, denn sie ließ sich einfach keine Angst machen. Und das Monster, was ihr Vater gesehen hat? Das war wohl eine neugierige Kuh des Nachbars. Das Vieh musste doch eben nachsehen, was sich an dem sonst so ruhigen Wassergraben bewegte.

Nadja Holdijk-Verdaasdonk