Erlebniswochenende in Achterhoek

Sie suchen einen echten Geheimtipp im Achterhoek? Dann merken Sie sich diese vier Orte, die selbst viele Niederländer nicht kennen: Bronkhorst, die kleinste Stadt der Niederlande mit rund 150 Einwohnern; die mittelalterliche Ketten-Bibliothek Librije in der Walburgiskerk in Zutphen; das Museum MORE im Schloss Ruurlo mit der größten Sammlung magischen Realismus des Landes; und die Fossilien-Steengroeve bei Winterswijk. Diese vier lassen sich an einem Wochenende gut kombinieren, weil sie alle im Umkreis von rund 40 Kilometern rund um Zutphen liegen.

Der Achterhoek liegt im Osten der Provinz Gelderland in den Niederlanden und grenzt direkt an das deutsche Münsterland. Von der Grenze bei Bocholt oder Vreden sind es je nach Ziel nur 20 bis 40 Autominuten. Wer wirklich abseits der Touristenströme reisen will, ist hier richtig: Die Region wird von deutschen Urlaubern deutlich seltener angesteuert als die Küste oder Amsterdam, obwohl sie mit dem Auto in ähnlicher Zeit erreichbar ist. Genau das macht den Achterhoek zum Geheimtipp.

1. Was macht den Achterhoek zum Geheimtipp?

Der Name Achterhoek bedeutet wörtlich „hintere Ecke“ – und so fühlt es sich auch an: ländlich, ruhig, mit Fachwerkhöfen, Hecken (den typischen „houtwallen“) und einem dichten Netz an Radwegen. Die Region umfasst grob das Gebiet zwischen der IJssel im Westen, der deutschen Grenze im Osten und den Städten Zutphen, Doetinchem, Winterswijk und Lochem.

Der eigentliche Geheimtipp ist weniger ein einzelner Ort als das Prinzip: Hier gibt es kaum Massentourismus, dafür regionale Küche, kleine Museen und Landschaft zum Selbstentdecken. Probieren Sie lokale Spezialitäten wie Krentenwegge (ein süßes Weißbrot mit Rosinen) oder ein Bier der Achterhoeker Brauereien, etwa aus Lichtenvoorde. Wer noch tiefer eintauchen will, fragt in den kleinen Cafés nach Wanderrouten – die Einheimischen kennen die stillen Ecken besser als jeder Reiseführer.

2. Geheimtipp Bronkhorst: die kleinste Stadt der Niederlande

Bronkhorst in der Gemeinde Bronckhorst trägt seit dem 15. Jahrhundert Stadtrechte, zählt aber nur rund 150 Einwohner und gilt damit als kleinste Stadt der Niederlande. Der historische Ortskern mit seinen Fachwerkhäusern und Kopfsteinpflastergassen ist autofrei und in 20 bis 30 Minuten zu Fuß erkundet.

Sehenswert sind die kleine Kapelle aus dem 14. Jahrhundert und das Charles-Dickens-Museum, das an den Roman „Pickwick Papers“ erinnert. Der Eintritt in den Ort selbst ist frei, Parkplätze gibt es am Ortsrand. Ideal ist eine Kombination mit einer kurzen Wanderung entlang der IJssel, die direkt vorbeifließt.

3. Geheimtipp Radtour: entlang der Schlossdörfer

Der Achterhoek ist über das niederländische Knotenpunktsystem („fietsknooppunten“) erschlossen: An jeder Kreuzung zeigen nummerierte Schilder den Weg, sodass Sie sich Ihre Route selbst zusammenstellen können. Eine schöne Tagestour führt von Lochem über Vorden nach Ruurlo – rund 35 bis 45 Kilometer, überwiegend flach, gut für einen Halbtag.

Rund um Vorden liegen mehrere Landgüter und Schlösser („de acht kastelen“), die Sie unterwegs passieren. Fahrräder mieten Sie in Lochem, Zutphen oder Ruurlo; rechnen Sie je nach Anbieter mit etwa 10 bis 20 Euro pro Tag für ein Stadtrad und 25 bis 40 Euro für ein E-Bike. Wer keine eigene Ausrüstung dabei hat, findet in den größeren Orten Verleihstationen in Bahnhofsnähe. Nehmen Sie an warmen Tagen Wasser mit, da die Strecken zwischen den Dörfern lang ohne Einkehr sein können.

4. Geheimtipp Zutphen: mittelalterliche Bibliothek und Turmblick

Zutphen ist eine der ältesten Städte der Niederlande und wird von Wochenendtouristen oft übersehen. Das Herzstück ist die gotische St.-Walburgiskerk. In ihr befindet sich die Librije, eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Ketten-Bibliotheken Europas: Die Bücher sind seit dem 16. Jahrhundert mit Ketten an den Pulten befestigt.

Vom Kirchturm haben Sie bei einer Führung einen weiten Blick über die Stadt und die IJssel-Aue. Planen Sie den Besuch möglichst am Samstagvormittag, dann findet auf dem Marktplatz der Wochenmarkt mit regionalen Produkten statt. Zum Aufwärmen bietet sich die lokale Zutphense mosterdsoep (Senfsuppe) an, die in mehreren Lokalen der Altstadt serviert wird. Für den Rundgang durch die Gassen mit Kaufmannshäusern und Stadtmauerresten sollten Sie zwei bis drei Stunden einplanen.

5. Geheimtipp für Genießer: regionale Küche entdecken

Kulinarisch lohnt sich der Achterhoek für alle, die Bodenständiges mögen. Ein Klassiker sind die Pannenkoeken, dünne Pfannkuchen mit süßen oder herzhaften Belägen, die in eigenen „Pannenkoekhuizen“ oft in mehr als 20 Varianten auf der Karte stehen. Ein Teller kostet meist zwischen 8 und 14 Euro und reicht als vollständige Mahlzeit.

Für Fleischliebhaber gibt es Rindfleisch aus regionaler Zucht, das in mehreren Restaurants der Region als Steak oder Burger angeboten wird. Wer es süß mag, findet in Bäckereien die genannte Krentenwegge sowie Gebäck mit Mandeln und Sirup. Reservieren Sie am Wochenende vorab: In den kleineren Orten haben viele Lokale nur begrenzte Tischzahlen und schließen abends früher als in Großstädten üblich.

6. Geheimtipp bei Regen: Museum MORE und Wellness

Für Schlechtwettertage ist das Museum MORE im Schloss Ruurlo ein Geheimtipp. Es zeigt die größte Sammlung des magischen Realismus in den Niederlanden, unter anderem Werke von Carel Willink, in einem restaurierten Kastell mit umgebendem Park. Prüfen Sie vor dem Besuch die Öffnungszeiten, da das Museum in der Regel montags geschlossen ist.

Wer sich entspannen möchte, findet in der weiteren Umgebung Wellness- und Thermenanlagen mit Saunen, Warmwasserbecken und Kräuteraufgüssen. Ein Tageseintritt liegt je nach Anlage meist im Bereich von 25 bis 45 Euro. Erkundigen Sie sich vorab, ob es sich um einen textilfreien Bereich handelt – in niederländischen Saunen ist das häufig der Fall.

7. So planen Sie Ihr Wochenende im Achterhoek

Ein bewährter Ablauf: Tag eins mit einer Radtour entlang der Schlossdörfer und einem Abstecher nach Bronkhorst, abends regionale Küche. Tag zwei mit Zutphen am Vormittag, Museum MORE oder eine Kanutour auf der IJssel am Nachmittag. Die Fahrzeiten zwischen den Zielen bleiben mit dem Auto meist unter 30 Minuten.

Der Achterhoek eignet sich damit ideal für ein Wochenende jenseits der bekannten Ziele: kurze Anreise aus Nordrhein-Westfalen, überschaubare Distanzen, wenig Trubel und viele kleine Entdeckungen. Wer die genannten Geheimtipps kombiniert, sieht in zwei Tagen die schönsten Seiten dieser stillen Ecke der Niederlande – und hat gute Gründe, wiederzukommen.