Mit dem Rad von Deventer nach Zutphen – Eine Tour entlang der IJssel

30 November 2018
durch: Nina

Die Hanseroute, ein 135km langer Radweg, der sieben der 9 Hansestädte miteinander verbindet, eignet sich wunderbar um eine Städtereise mit einer schönen Radtour zu verbinden. Ich habe mir an einem Wochenende einmal Deventer genauer angesehen und bin von dort aus entlang der Ijssel ins gemütliche Zutphen geradelt.

Deventer Nina HB

Bergkwartier – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

Frühstück im Süßwarenlanden und Deventers Berg

Wann habt ihr zuletzt in einem Süßigkeitenladen gefrühstückt? Im Hotel de Leeuw, das zugleich Hanse Museum und Candy Shop ist, starte ich mein Wochenende in Deventer mit ordentlich Hagelslag und Pindakaas, wie es sich für einen echten Hollandbesuch gehört. Von hier aus mache ich erst einmal eine kurze Runde Sightseeing: das Stadhuis mit seiner Fingerabdruck Fassade, die Lebuinuskerk, das pittoreske Bergkwartier mit den typischen Hansehäuschen und den Brink, dem Marktplatz mit alter Waage und dem traditionellen Koekwinkel, dessen Frühstückskuchen weit über die Grenze hinaus bekannt ist.

Shopping in Deventer – Conceptstores, Vintage und Papeterie

Mich treibt es in die vielen kleinen Gassen der Stadt in denen sich ein hübsches Geschäft neben das Nächste reiht. Nicht weit vom Bring entdecke ich den kleinen Laden Flotte. Betrieben von einem Mutter-Tochter-Duo findet man hier vor Allem nachhaltige Produkte: Eine Mischung aus Keramik, Interior, Pflanzen und Vintage Kleidung. Ich fühle mich hier sofort wohl und würde am liebsten alles in mein Köfferchen packen. Entlang der Kleine und Grote Overstraat finde ich viele weitere interessante Geschäfte, wie die hübsche Papeterie Alternote, der coole Conceptstore Plek, den Sneakerladen Deaup und das neu eröffnete Eindelijk.

Deventer Nina HB

Flotte – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

Kaffee in Deventers neuer moderner Bibliothek

Richtig positiv überrascht hat mich die neue Bibliothek in Deventers Herz der Altstadt. Wo Anderorts öffentliche Bibliotheken schließen müssen werden in den Niederlanden noch neue gebaut. Das Gebäude ist ist modern, im Erdgeschoss befindet sich ein gemütliches Café, in dem man auch prima zu Mittag essen kann. Die Regale sind luftig und nicht vollgestopft, es gibt viel Platz für Lesesofas und Arbeitsplätze und eine Dachterrasse mit schönem Ausblick über die Dächer der Stadt.

Holländische Tapas, Street Food und Craft Beer

Fürs Abendessen habe ich gleich zwei Empfehlungen: Zum einen, das neue Proeflokaal t’Oer direkt am Brink. Hier bekommt man zum Pauschalpreis eine große Auswahl verschiedenster kleiner Probierplatten zum Teilen, typisch holländische Küche mit lokalen Produkten im Tapasformat. Zum anderen die etwas außerhalb der Innenstadt liegende Street Food Halle Food Dock in der man sich einmal um die Welt futtern kann und dabei einen echten Deventer Gin probieren. Ich trinke noch einen Absacker in der ortseigenen Craft-Brewery Davo, bevor es zurück ins Hotel geht.

Deventer Smaracuja

Proeflokaal t’Oer – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

Auf der Hanseroute entlang der Ijssel vorbei an Windmühlen und Burgruinen

Am nächsten Morgen schwinge ich mich auf mein Rad und nehme die kleine Fähre zum anderen Ijsselufer. Hier folge ich den Schildern der Hanseroute, vorbei an der Bolwerksmolen in Richtung Zutphen. Auf der IJssel schippern kleine Segelboote und große Frachtschiffe, neben mir grasen Kühe und um meine Nase weht eine frische Brise. Auf etwa halber Strecke, kurz bevor der Radweg rechts in eine Allee abbiegt erreiche ich eine Burgruine, von hier aus hat man einen wunderschönen Blick über den Fluss. Ab jetzt fährt man über einen Deich, der nie endend im Horizont verschwindet. Der Radweg ist in so gutem Zustand, als wäre er gerade erst geteert worden. So macht Radeln Spaß!

Nach 18 Kilometern und etwa 90 Minuten Strampeln erreiche ich die IJsselbrücke von der aus sich das Panorama von Zutphen schon vor mir auftut.

Zutphen Nina HB

Zutphen – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

Kunst, Kibbeling und versteckte Hinterhöfe in Zutphen

Eins fällt sofort auf, während ich durch die Altstadt von Zutphen schlendere: Es ist hier deutlich beschaulicher und gemütlicher. Die Leute grüßen sich auf der Straße, auf dem Markt gibt es frischen Kibbeling und Blumen, nirgend herrscht große Hektik. Durch verwinkelte Gassen erreicht man riesige versteckte Innenhöfe mit Cafés. Mein absoluter Lieblingsort in Zutphen wurde Dat Bollwerck. Eines der schönsten Gebäude Zutphens beherbergt heute eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen, einen kleinen Skulpturengarten und ein Bed & Breakfast in den oberen Stockwerken.

Zutphen Nina HB

Skulptur einer Frau – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

Es ist übrigens beinahe unmöglich ein Wochenende zu erwischen, an dem in Zutphen kein Festival stattfindet. Während meines Besuchs gab es ein Jazzfest, bei dem viele verschiedene Bands durch die Straßen zogen und sogar die Kirchturmglocken mit eingestimmt haben.

Mittagstisch im Volkshaus und die flüsternden Boote

Zum Mittag trifft sich alles im Volkshuis direkt am Houtmark. Hier ist jeder willkommen, sowohl als Gast als auch beim Personal. Seit den Neunzigern bekommen hier vor allem Menschen einen Job, die sonst nicht so leicht einen finden würden. Ich probiere den Hanseatischen Mittagstisch: Ein Senfsüppchen, eine Fleichkrokette und ein kleiner Salat –  eine Kombination die es wohl so wirklich nur in Holland gibt.

Zutphen Smaracuja

Berkelpoort – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

Bei meinem kurzen Stop am Berkelpoort entdecke ich die Fluisterboten, kleine Gondeln, die ihren Namen aufgrund ihres nicht hörbaren Elektromotors haben. Mit ihnen kann man in den Sommermonaten kleine Stadtrundfahrten unternehmen.

Guter Wein aus Andalusien und ein Brauhaus mit Charme

Ich probiere gute Weine bei Nelemann, einem lokalen Weinladen mit eigenem Weinanbau in Andalusien, gucke mir schöne Interiordesignteile bei By Noord an und zapfe frisch gemahlene Erdnussbutter bei Noten & Zo.

By Noord – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

Zutphen Nina HB

By Noord – © Nina Hüpen-Bestendonk – Smaracuja

 

 

 

 

 

 

A propos selber Zapfen: Das darf man auch in Zutphens eigenem Brauhaus. Das in der Stadsbrouwerij Gambrinus gebraute Bier kann man sich entweder an der Bar bestellen oder an einer der Zapfstationen selbst ins Glas füllen. Ich gönne mir eine „High Beer“ Platte – bei der man anstatt Tee und Scones sämtliche Hausbiersorten und Snacks wie Bitterballen und Co in Probiergrößen serviert bekommt – bevor ich fix und fertig in mein Hotelbett falle.

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